Es ist, wie es ist

Schwer ist es.
Schwer, um genau das auf zu schreiben,
was ich wirklich sagen möchte.

Schwierig ist es auch.
Schwierig, mich zu äußern.
Schwierig, niemanden mehr zu verletzen
mit meiner persönlichen Verarbeitung vom ganzen Geschehenen.

Ich möchte den Einen auf keinen Fall verunsichern, dem Anderen aber irgendwie so gerne schildern, wie ich’s erfahre und bislang erfahren habe. Zeigen, dass es in meinem Herzen bei weitem nicht so eisig und kalt ist, wie es für die Außenwelt aussehen mag. Im Gegenteil.

Nein, ich bedauere nicht. Non, je ne regrette rien. Es ist, wie es ist und es ist gut so. Ich verdanke ihm so viel. Zwei fabelhafte, besondere Kinder und Dezennien des guten Lebens. Tausende Erinnerungen und Erfahrungen. Ich werde sie nie vergessen. Auch nie vergessen wollen. Oder können.

Aber irgendwann, vor einigen Jahren, fingen wir an, den Faden zu verlieren. Diesen Faden, der uns so lange zusammenhielt und der ganz langsam, ja, fast unmerklich, ausfranste. Schlussendlich brach er. Wir bemerkten es nicht einmal, aber unser Flickenteppich fiel in Zeitlupe auseinander. Die Fetzen waren immer weniger miteinander verbunden. Bis alles plötzlich in einzelne Stücke auf den Boden fiel. Die warme Decke war keine mehr. Irreparabel. Kaputt.

Wir haben unser Bestes getan. Alles, um es so gut wie’s ging, zu regeln. Und das ist uns auch gelungen. Es ist absolut erstaunlich, aber unser Nachwuchs gedeiht nach wie vor. Den beiden geht’s überraschend gut, mal abgesehen von den Schwierigkeiten, die sie sowieso schon immer hatten. Wir regeln das. Wir schaffen das. Und sie werden ihren Weg finden, koste es, was es wolle.

Ich sagte: “Ich bedauere nicht”. Stimmt auch weitestgehend. Aber irgendwie doch nicht ganz? Ich bedauere, wie es gelaufen ist. Die Art, die rasante Geschwindigkeit, die Brutalität. Wie eine Dampflokomotive. Er sagte: “Alles hat eine gewaltige Eigendynamik bekommen und jetzt ist der Zug nicht mehr zu stoppen. Er wälzt über alles drüber…”

Und so war es in der Tat.

Es so weit haben kommen lassen, dass es im Vorhinein schon keine Chance mehr hatte. Und ja, da bin ich sicherlich mehr Schuld. Ich hätte viel früher aufschreien müssen. Aus meiner Sicht habe ich das auch mehrmals getan, nur war’s wohl nicht laut genug… Darüber zu streiten hat jetzt keinen Sinn mehr. Es ist, wie es ist.

Wir sind nun beide zusehends glücklicher. Er mit der Seinen, ich mit dem Meinen. Sie gibt ihm wieder Halt. Sie ist mit Sicherheit eine tausend Mal bessere Frau für ihn als ich es je sein konnte oder sein würde. Das hoffe ich wirklich  aufrichtig. Und ich habe ebenfalls meinen Lebensmensch gefunden. Es ist irgendwie ein blödes Wort, ich weiß, aber es fühlt sich nun mal so an. Er ist gut für mich. Derjenige, der mir wieder Halt gibt. Das Ganze war möglich weil wir – er und ich, wir beide – zuschauten, während wir in den Abgrund schlitterten. Abgerutscht; von fast gar nichts schnurstracks hin zu einfach gar nichts mehr.

Desinteresse. Kritik. Gegenseitige Unzufriedenheit. Entfremdung. Verfremdung. Gleichgültigkeit.

Bis es irgendwann nur noch ein mehr oder weniger seelenloses nebeneinanderher Leben war.

Alles schien so perfekt… Liebe, intelligente, kreative, eigensinnige, besondere Kinder. Ein tolles Haus, niedrigstenergie sogar! Ich war sowas von stolz drauf. Wir hatten Luxus. Und keinerlei finanzielle Sorgen. Wir hatten alles. Nur einander nicht mehr…

So viel Vergangenheit, aber keine weitere Zukunft. Das tut mir aufrichtig Leid. Die Lawinen, ja, mehrere, rollten hier genauso unbarmherzig drüber, glaub’s mir. Die Verzweiflung. Was schmiss ich da über Bord? Nein. Wir!

Oh, und ICH vermisse auch. Meine Nachbarn, die jetzt keine Nachbarn mehr sind, nur noch Freunde. Mein schöner Garten, wo ich mit so viel Hingabe gearbeitet und geerntet habe. Aufs Rasenmähen konnte ich allerdings verzichten. Mein geregeltes Leben, wie es mal war. Auf einmal war alles weg. Durch mein – nein, unser – eigenes Zutun. Aber vor allem vermisse ich doch meine Schwägerinnen und Schwäger, meine Nichten und meinen Neffen, meine ‘zweite Mutter’.  Seit einem Vierteljahrhundert meine Familie, aber jetzt schon fast seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Ich vermisse sie. Sehr sogar. Aber jetzt traue ich mich nicht mehr… Wie würden sie mich sehen? Würden sie mich überhaupt noch sehen wollen?? Ich sie schon… Ja, wirklich, dann kommen mir die Tränen.

Ich vermisse das Haus ebenfalls. Das Haus, das schon längst nicht mehr das meinige ist, aber es mal so sehr war. Das Leben in diesem Haus, wo alles (fast) perfekt war. So, wie wir es uns gewünscht hatten. Und wofür er so viel getan hatte. Ich schenkte ihm meine Hälfte. Konnte nicht ertragen, dass er dort, durch unser Auseinanderreißen, wegziehen müsste. Nicht ertragen, dass die Kinder auch noch dieses Zuhause verlieren würden. Das konnte nicht sein, das durfte einfach nicht passieren. Aber ich vermisse es. Doch es ist, wie es ist.

Wirklich, glaub’s mir, ich möchte es nicht anders. Zwei völlig neue Leben, um 180° gedreht. Neue Partner, neue Horizonten, neue Zukunft im Doppelpack. Aber das Wichtigste: den Kindern geht’s gut…

Doch manchmal weine ich nachts trotzdem bitterlich. Einfach so. Um das, was mal war. Und jetzt nicht mehr ist. Um alle, die – und alles, was – ich so sehr vermisse. Auch wenn’s jetzt gut ist, so wie es ist. Vielleicht sogar besser. Auch für ihn.

Ich hoffe lediglich noch, dass er das nun selbst auch erkennt.
Ich hoffe, dass die großen und kleinen Herzen jetzt, nach einem Jahr, nicht mehr so stark bluten…

Es ist, wie es ist.

Liet vrij

Al mijn ‘toen’. Dat was met jou.
Een verleden zwanger van ’t leven.
Door de jaren roerloos heengegaan.
Kunnen we ’t nu niets meer geven.

Jij wou die verre einden lopen
Ik wilde enkel hoger springen.
Jij wou niet praten, op meer hopen.
Ik wilde zó veel liever zingen…

Jij schoot wortels, meters diep
Ik had ineens vleugels gekregen.
En de stilte die ons zo luid riep
Hebben we samen bruut doodgezwegen.

Mijn hart slaat sneller dan dat van jou.
Nooit meer synchroon en zo vol pijn.
We stralen veel harder zonder elkaar.
Dan heeft het wellicht zo moeten zijn.

Voelde me jonger. Wist niet waarom.
Jij voelde je misplaatst. Bal naast de stip
Zo vielen we tergend langzaam om.
Verloren we meer en meer de grip.

Ik snapte dat jij er niets van snapt.
Ik begreep dat jij het niet bevat.
Waarom was alles dan níets waard?
Er volgde een lawine. ’t Grote gat.

We vergaten enkel te bewegen.
Was ik ervoor, was jij ertegen.
En nu, nu gaan we dus toch
voorgoed gescheiden wegen.

Mijn hart slaat sneller dan dat van jou.
Nooit meer synchroon en zo vol pijn.
We stralen veel harder zonder elkaar.
Dan heeft het wellicht zo moeten zijn.

Rest ons dat ene verstokte ritueel,
waar de één de ander vermijdt
Zien al niet meer, wat ons verbond,
enkel nog al dat, wat ons scheidt.

We moeten ademen en weer groeien
elkaar niet langer meer vermoeien
Daar waar we onszelf opnieuw ontmoeten
Krijgen wegen weer handen en voeten.

Wegen die altijd verbonden blijven
Alleen lopen wij ze nu niet meer samen
Al mijn ‘nu’ ligt ergens anders
We gingen sneller dan we ooit kwamen.

Ik liet je vrij. We blijven verbonden.
Ik liet je vrij. Laat jou weer je leven.
Ik liet mij vrij. Lik ons beider wonden.
Ik liet mij vrij. Kunnen we vergeven…

=================================

geïnspireerd door (en deels vertaald vanuit) de prachtige song van Andreas Bourani – Auf Anderen Wegen